Wir sind am 3.10. mit der Bahn nach Stuttgart gefahren und haben dort an der überregionalen Demonstration mit Kundgebung auf dem Schlossplatz teilgenommen (Fotos unten auf der Seite und hier). Bei idealem Demonstrationswetter haben wir uns an den beiden Treffpunkten (7.30 Uhr in Wiesbaden und 8 Uhr in Mainz) gesammelt und sind dann zunächst mit dem Regionalexpress nach Karlsruhe gefahren. Wir waren eine Gruppe von etwa zwanzig bis dreißig Leuten, teils aus unserem Bündnis, teils von der DFG-VK, den Linken und von den Omas gegen Rechts. Hinzu kamen diejenigen, die nirgendwo organisiert waren und von unserem Angebot der gemeinsamen Anreise erfahren hatten. So verlief die Zugfahrt kurzweilig und angenehm mit Kennenlernen und Informationsaustausch. In Karlsruhe mussten wir dann in eine S-Bahn nach Stuttgart umsteigen, die zum Bersten überfüllt war, weil in Stuttgart derzeit eine Art Oktoberfest stattfindet, die sogenannte „Cannstätter Wasen“. Viele der Fahrgäste hatten Lederhosen oder Dirndln an. In Bruchsal verschärfte sich die Situation, als noch mehr Menschen einstiegen und der Zug stehenblieb. Nach langem Warten meldete sich der Zugführer mit der Ansage, wir hätten drei Tonnen Überlast und einige müssten aussteigen. Da niemand Folge leistete, kam irgendwann die Bundespolizei und holte wahllos Leute aus dem Zug. Unsere Gruppe war zum Glück nicht betroffen, aber einige andere, die zur Demo wollten. Irgendwann ging es weiter.
In Stuttgart hatten wir noch Zeit, am Schlossplatz zu Mittag zu essen und dem Vorkonzert der Lebenslaute zuzuhören, die bei ihrer Pfingstaktion so erfolgreich das Militärgelände in Mainz-Kastel blockiert hatte. Nach und nach strömten immer mehr Menschen auf den Platz, viele mit roten Fahnen, aber auch die blauen Flaggen der DFG-VK waren zahlreich vertreten. Es gab ein fröhliches Wiedersehen mit vielen Bekannten von früheren Aktionen. Wir schätzten die Teilnehmerzahl zu diesem Zeitpunkt auf etwa 10.000, aber es kamen immer noch Menschen hinzu. Bei der Auftaktkundgebung war (wie immer) die Rede von Sevim Dagdelen besonders mitreißend, aber auch die Videoansprache von Jeffrey Sachs, die er in der Vatikanstadt aufgezeichnet hatte, fand starke Beachtung. Anfangs versperrte leider ein riesiger Schriftzug „Sozialismus statt Weltkrieg“ den Blick auf die Bühne, aber die Klassenkämpfer gingen dann zum Glück beiseite. Besonders laut wurde es, als wir einen Videogruß nach Berlin schickten, wo zur selben Zeit eine weitere Kundgebung mit einer sogar noch etwas größeren Teilnehmerzahl stattfand.
Als wir uns zum Demonstrationszug sammelten, dauerte es fast eine Stunde, bis sich alle auf den Weg gemacht hatten, der teilweise über recht schmale Fahrbahnen durch die Stuttgarter Innenstadt führte. Unsere Gruppe befand sich im hinteren Bereich und an einem Punkt sahen wir die Spitze der Kolonne schon wieder zurückkommen, während wir gerade erst am Beginn des Rundweges waren. Daran war zu sehen, wie groß die Demonstration tatsächlich war! Die Veranstalter haben die Teilnehmerzahl später mit 15.000 angegeben. Immer wieder gab es kleine optische Highlights, zum Beispiel fantasievolle Plakate oder einen Aktivisten in Superman-Verkleidung, der uns alle zu Superhelden erklärte. Auch die Lebenslaute gab ein kleines Zusatzkonzert am Wegesrand.
Da wir so weit hinten im Zug waren, haben wir die Rede von Margot Käßmann leider nicht mehr gehört, die den Höhepunkt der Abschlussveranstaltung bildete. Es gab sehr viele Gespräche, die noch geführt werden wollten, und ich habe auch von den anderen Reden nichts mitbekommen. Als der Rapper S. Castro sein Abschlusskonzert begann, wurde aber klar, dass wir zum Bahnhof mussten, um die geplante Rückreise anzutreten. Tatsächlich haben sich alle aus unserer Gruppe dort wiedergefunden (obwohl wir zunächst an verschiedenen Treffpunkten gewartet hatten) und auch die Regionalbahn in Karlsruhe erwischt (wir mussten zwar zunächst rennen, aber es stellte sich dann heraus, dass der Anschlusszug gar nicht pünktlich abfahren würde). Es war ein tolles Erlebnis, auch weil viele dort gemeinsam demonstriert haben, die ich sonst oft auf getrennten Veranstaltungen erlebt habe. Nun gilt es, die Basis der Friedensbewegung zu erweitern, damit wir nächstes Jahr eine noch größere Veranstaltung auf die Beine stellen können. Wir freuen uns schon darauf!










