Wiesbadener Bündnis gegen Raketenstationierung

Die zweite literarisch-kulturelle Matinée

Am 15.3. haben wir im Walhalla im Exil in der Nerostraße unsere zweite musikalisch-literarische Matinée veranstaltet, diesmal mit Tommy Rödl von der DFG-VK Bayern als Referenten, der uns und den Gästen auf unterhaltsame viele interessante Informationen über den Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der bayrischen Oberpfalz vermittelt hat, auf dem dieses Jahr vermutlich die angekündigten US-Mittelstreckenwaffen stationiert werden sollen. Die Atmosphäte im kleinen Veranstaltungssaal des gemütlichen Cafés war sehr heimelig. Es war dunkel, mit erleuchteter Bühne und einzelnen Lichtpunkten an der Decke. Wie auf Absprache kamen etwas mehr als 50 Besucher und damit ziemlich genau so viele, wie Sitzplätze vorbereitet waren. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einem Keyboardsolo von Jolly, den viele als Geiger des Absinto Orkestra kennen. Nach einer kurzen Einführung von Jan kam der Auftritt von Armin, der das Konzept der Veranstaltung erdacht hatte. Er hatte verschiedene Texte von Kästner bis Brecht vorbereitet, die er mit eindrucksvoller Intonation vortrug. Leitmotiv dieser literarischen Beiträge war das Entsetzen und Unverständnis des vernünftigen Denkens angesichts der Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges. Anschließend kam Tommy an der Reihe und so ging es immer weiter im Wechselspiel von Musik, Lesung und Vortrag. Tommy untermalte seinen Bericht auch gerne mit dem einen oder anderen humorvollen Spruch und mit anschaulichen Folien. So wurden sogar schockierende Informationen verdaulich, wie das Zitat von der Website des US-Einheit aus Grafenwöhr, man könne dort Raketeneinsätze „in ganz Europa planen, durchführen und auswerten“. Nach einem Gespräch zwischen Jan und Tommy, bei dem natürlich auch auf die geplanten zeitgleichen Großdemonstrationen in Grafenwöhr und Wiesbaden am 30. Mai hingewiesen wurde, hatte das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen, Meinungen zu äußern und Vorschläge zu machen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, was man eigentlich gegen den Kriegswahnsinn tun könne und wie es möglich wäre, mehr Menschen auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Gewerkschaften und Kirchen wurden als wichtige Ansprechpartner hervorgehoben. Beklagt wurde das ausweichende Verhalten der Politiker, insbesondere in den Kommunen, denn am gleichen Tag fand in ganz Hessen die Kommunalwahl statt. Zu Recht wurde aber auch auf Ausnahmen wie den Kasteler Ortsvorsteher Hartmut Bohrer von der Linkspartei aufmerksam gemacht, der sich schon seit Jahrzehnten für die Schließung der US-Militärstandorte in Wiesbaden einsetzt und ebenfalls unter den Zuschauern war.

Viele der Teilnehmer und Besucher setzten anschließend die Unterhaltung fort und blieben auf ein oder zwei Getränke in der stilvollen Exil-Bar. Am 17.5. soll am gleichen Ort die dritte Auflage dieses vielversprechenden Veranstaltungsformats steigen, und wir sind schon jetzt gespannt, was Albert sich bis dahin ausdenken wird.

Die vollständige Videoaufzeichnung der Veranstaltung findet ihr hier.

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